Liebe geschieht nicht - Liebe ist lernbar.

Vom Führen guter Beziehungen

Von Karin Kramer, Principal /

Sie sind eine erfolgreiche Führungskraft? Führen Sie auch (eine) erfolgreiche Beziehung(en)?Kennen Sie die Sprache des Herzens? Und wie klingt Sie? Woran glauben Sie in der Liebe? Und glauben Sie, dass Sie darauf einen Einfluss haben? Und warum um alles in der Welt handelt dieser Blogeintrag von Liebe? 

Wie über kein anderes Gefühl und Vorkommnis ist über die Liebe so viel geschrieben und philosophiert, Annäherungen gesucht und vielleicht gefunden worden. Ganz egal, wie diese lauten mögen, es geht praktisch immer um eine Erkenntnis, welche oft in Vergessenheit gerät oder durch die romantische Verklärung verdrängt wird: Liebe bedeutet Arbeit – vor allem Arbeit an sich selbst. Alle Versuche werden über kurz oder lang fehlschlagen, wenn wir nicht bereit sind, an uns zu arbeiten – unsere Persönlichkeit zu entwickeln. Oder wie Erich Fromm es treffend sagt: «Nicht lieben lassen, sondern lieben lernen ist das Gebot»(1). 

Hier schliesst sich nun also der Bogen zur Leadership. Wir werden im Führen von Menschen nur so erfolgreich sein, wie wir auch bereit sind, an uns persönlich zu arbeiten und uns selbst führen zu lernen. Der Mensch als sein wichtigstes Führungsinstrument also. Davon ausgehend ist auch in einer Liebesbeziehung der alles entscheidende Faktor, wie wir mit uns selbst umgehen und unserer selbst bewusst sind. Auf wiederholte Nachfrage hat sich Manres daher entschieden, die Produktpalette vom ‘Führen von Menschen’ zu ‘Führen von (Liebes)beziehungen’ auszuweiten, und wir freuen uns, dass Sie sich dafür interessieren. 

In der Liebe zu einem anderen Menschen gibt es kein Glück und keine Erfüllung ohne Glauben, Demut, Disziplin und Mut. In unserer verstandesgetriebenen Gesellschaft, in der diese Eigenschaften rar sind, wird die Fähigkeit zu lieben nur selten vollumfänglich entwickelt. Dass es schwer ist, sollte uns jedoch nicht davon abhalten, es dennoch zu tun. Hinter der Einstellung, dass man nichts lernen müsse, um lieben zu können, steckt meistens die Annahme, dass ‘zu lieben’ einfach sei, es jedoch schwierig ist, den richtigen Partner an seiner Seite zu haben. Dies hat zur Folge, dass bei Problemen, Schmerz und Herausforderungen in Beziehungen noch zu oft dysfunktionale Strategien gewählt werden. Der argentinische Psychotherapeut Jorge Bucay beschreibt dazu die zwei Folgenden: Strategie 1 - Man flieht und hält nach einem anderen Partner Ausschau. Man hofft auf mehr Glück beim nächsten Mal und ist überzeugt, in Zukunft eine bessere Partnerwahl zu treffen. Es läuft also darauf hinaus, die Lösung für das Unglücklichsein in einer neuen Partnerschaft zu suchen. Strategie 2 - Man verbleibt in der unglücklichen Partnerschaft und geht ausserhalb der Beziehung auf die Suche nach dem Fehlenden (Leidenschaft, Romantik, Abenteuer, Anerkennung etc.) (2). Diese zwei Strategien haben beide einen massiven Pferdefuss: Sie funktionieren (wenn auch zumeist unbewusst) nach dem «Wenn…, dann…»-Schema. Wenn ich einen neuen Partner gefunden habe, dann wird alles besser. Wenn ich mein «Bestätigungskonto» in einer Bar aufgeladen habe, dann bin ich auch wieder in meiner Beziehung glücklich. Dieses Schema ist jedoch eine Mogelpackung, denn mit jedem «dann» ersteht wieder eine neues «wenn». Das liegt daran, dass wir immer wieder versuchen, die falsche Wurzel für das Übel anzufassen, das wir identifiziert haben: Wenn wir das Funktionieren und das Glück der Beziehung daran festmachen, dass es dafür die «richtige Person» (unabhängig von unserem Verhalten) braucht, halten wir uns davon ab, die Ursache des Glücks mindestens ebenso bei uns selbst suchen. Wir halten uns selbst in einem Kreislauf gefangen.  

Aber was wäre die andere Lösung? Welche Einstellung bezüglich Beziehungen wäre dann funktional und sinnvoll? Unsere Überzeugung ist, dass die Paarbeziehung kein unveränderlicher Zustand zweier unveränderlicher Menschen ist – keine simple Funktion von Match oder Mismatch. Vielmehr ist sie eine Reise auf einem psychologischen und spirituell anspruchsvollen Weg – ein Weg zur Entwicklung zu zweit. Und hier kommt die eigene Persönlichkeitsentwicklung ins Spiel. Denn die Qualität einer Beziehung wird durch das Verhalten der beteiligten Personen bestimmt. Und das Verhalten dieser Personen nährt und orientiert sich wiederum an der Qualität der Beziehung. Nun stellt sich die Frage: Wo können wir ansetzen, wenn dieser Kreislauf in eine Schieflage gerät? Oder wo, wenn wir unsere Beziehung stärken und nähren wollen, damit dies gar nicht erst geschieht? Natürlich an unserem Verhalten! Dies ist eine mühsame aber gleichzeitig unglaublich erleichternde Erkenntnis: Wir können eine schwierig gewordene Beziehung jederzeit wieder positiv und in eine gewünschte Richtung beeinflussen. Wir müssen dafür jedoch die Verantwortung in unsere eigenen Hände nehmen und unser eigenes Verhalten verändern. Sei dies unser Verhalten in Konflikten, bei Meinungsverschiedenheiten, bei Werteverstössen oder bei divergierenden Bedürfnissen. Oder – um den positiven Fokus einzunehmen – sei es, dass wir realisieren, dass wir unserem Partner mehr Zuspruch und Unterstützung geben können, mehr Aufmerksamkeit, mehr Präsenz, mehr Bewunderung… Es geht genauso sehr um das Schätzen, Genießen und Verstärken der positiven Aspekte einer Beziehung wie um den Umgang mit den kritischen Aspekten.

Sie lesen noch? Und haben Lust auf mehr? Dann besuchen Sie schon bald unseren ersten Event ‘Liebe ist (k)eine Kunst’ in Zürich. Genauere Informationen folgen.

Auf Wiedersehen und einen selbstverantworteten Tag voller Liebe wünscht Ihnen 
Ihr Manres Team 

Quellen:
1)    Fromm, E. (2015). Die Kunst des Liebens. München: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. 
2)    Bucay, J. (2016). Drei Fragen. Wer bin ich? Wohin gehe ich? Mit wem? Frankfurt am Main: Fischer Verlag.