Konzerne vs. Start-ups:

Kompromisslose Team-Zusammensetzung

Von Clemens Immel, Senior Consultant /

Einer der fundamentalsten Aspekte, die Konzerne von Start-ups lernen können, ist die kompromisslose Team-Zusammensetzung. Dies fängt bereits beim Gründer-Team an. Die-Höhle-der-Löwen-Zuschauer oder Leser von Christoph Keeses Buch Silicon Valley (1) wissen bereits, dass beispielsweise Venture Capital-Investoren und Business Angels sich vor allem das Gründer-Team sehr genau ansehen. Aber was ist es genau, das Start-ups in der Team-Zusammensetzung anders machen als etablierte Player am Markt?  Start-ups sind kompromissloser. Jede falsche Entscheidung kostet Zeit sowie Geld und kann damit den gesamten Erfolg des Start-ups in Gefahr bringen. In großen Konzernen hingegen treffen wir immer mal wieder das (explizite oder implizite) Mindset an: „dann wird das Budget spätestens im nächsten Jahr noch einmal erhöht“.


Erfolgreiche Start-up Teams sind diversifiziert, das heißt sie haben unterschiedliche Stärken, Schwächen und vielleicht sogar Interessen. Dieser Unterschied mag vielleicht trivial wirken, ist allerdings ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sie kennen bestimmt auch alle den Mini-me-Effekt in Unternehmen: Personalauswahl aufgrund von Ähnlichkeiten und dadurch entstehende Sympathie zwischen Bewerber und Manager. In Konsequenz entstehen homogene Teams, die sich gegenseitig in ihren Ansichten bestärken und damit gegebenenfalls am Kunden vorbeiarbeiten. Teams, die einige große Stärken, aber noch größere Lücken oder Schwächen haben, die dann umso mehr einschlagen, wenn die Stärken nicht mehr zur Situation passen.


Ein kompetenzbasiertes, heterogenes Team ist hingegen noch kein Garant für ein erfolgreiches Team – und auch per se kein Unterscheidungsmerkmal zu „Nicht-Start-ups“. Es ist viel mehr eine hinreichende, jedoch keine notwendige Bedingung. Diese notwendigen Bedingungen sind der emotionale Zusammenhalt und die Unterstützung im (Gründer-)Team. Kleinere Konflikte oder eine unverträgliche Chemie zwischen Teammitgliedern hemmen die Effizienz und verringern die Produktivität maßgeblich schon im normalen Tagesgeschäft. Viel stärker kommt dieser Effekt sogar zum Tragen, wenn schwierige Situationen oder falsche Entscheidungen die Zukunft des Start-ups bedrohen. Ein gut aufgestelltes (Gründer-)Team hält dann nicht nur zusammen oder erarbeitet gemeinsam mögliche Lösungen, sondern gibt sich vor allem gegenseitig emotionale Unterstützung, indem die Mitglieder sich trösten, ihre Ängste benennen und diese dann gemeinsam bearbeiten und sich gegenseitig an den gemeinsamen Traum erinnern, um sich zu ermutigen. So schaffen sie es gemeinsam, die Widrigkeit zu meistern und erfolgreich zu bleiben.


Ein Gründer, mit dem ich mich letztens über seine Herausforderungen ausgetauscht habe, fasst dies gut zusammen: „Wenn Du Dir nicht vorstellen kannst, in den nächsten drei Jahren jeden Tag 14 Stunden mit dieser Person zu verbringen, solltest Du es Dir vielleicht noch einmal gut überlegen.“
Start-ups investieren daher bereits bei der Personalauswahl viel Zeit darauf, ob die Person einen ähnlichen Mindset hat, begeistert von der Idee ist (und somit intrinsisch motiviert), die richtigen Kompetenzen mitbringt und wie gut sie ins Team passt.


Jetzt mögen Sie vielleicht sagen „Das machen wir bei uns auch. Was ist jetzt so besonders daran?“.  Fragen Sie sich einfach, ob folgende Aussagen auf Ihr Unternehmen ebenfalls zutreffen und bewerten Sie selbst, ob Sie in Ihrem Unternehmen wirklich genauso resolut die Teams zusammensetzen:

  • Wir geben unsere Schwächen und Fehler offen zu und bitten um Hilfe
  • Wir vertrauen einander, dass Schwäche oder Fehler nicht politisch gegen uns verwendet werden 
  • Wir geben einander nicht nur fachliche, sondern auch emotionale Unterstützung
  • Wir tauschen uns auch über private Themen nach der Arbeit aus
  • Wir sprechen über unsere Träume und Ängste im Team 
  • Wir sind füreinander da und gehen die Extrameile
  • Wir stehen für diese Haltungen und Verhaltensweise resolut ein, fordern sie ein und nehmen langfristig keine Abweichungen hin.

Wir wünschen Ihnen schöne freie Tage mit der Familie und Treffen mit Freunden, die Sie über das Jahr verteilt vielleicht nur digital gesehen haben.
Ihr Manres-Team

(1)    Keese, C. (2014). Silicon Valley: Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt. Alb-recht Knaus Verlag.